Die Steuererklärung

Jeder, der Einkommen aus selbständiger Tätigkeit erwirtschaftet, muss eine Einkommensteuererklärung abgeben. Diese muss bis zum 31. Mai des Folgejahres (Steuererklärung 2015 also bis 31. Mai 2016) beim Finanzamt eingehen.

Hierzu gibt es erfahrungsgemäß viele Fragen und Unsicherheiten bei den Tagespflegepersonen, die im Folgenden behandelt werden sollen.



Das "zu versteuernde Einkommen"

Das "zu versteuernde Einkommen" ist der Teil der Einnahmen, der den Gewinn ausmacht, also die Summe, die nach Abzug der Betriebsausgabenpauschalen und sonstiger Betriebsausgaben verbleibt.

Das "zu versteuernde Einkommen" ist Grundlage für die Bemessung der Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung oder der Frage, ob eine beitragsfreie Mitversicherung in der gesetzlichen Krankenversicherung als Familienversicherung möglich ist.



Betriebsausgabenpauschale

Einkommenssteuern fallen an, wenn die Einnahmen über der abzugsfähigen Betriebsausgabenpauschale von höchstens 300,00 Euro pro Kind monatlich bzw. 75,00 Euro pro Kind pro Woche liegen.

Wer ein Tageskind weniger als 8 Stunden täglich oder weniger als 5 Tage in der Woche betreut, muss die Pauschale entsprechend herunterrechnen.

Das Bundesfinanzministerium hat zur Berechnung der Pauschale folgende Formel veröffentlicht:

300 EUR x vereinbarte wöchentliche Betreuungszeit
_________________________________________________

40 Stunden


Dabei ist zu beachten, dass für die wöchentliche Betreuungszeit pro Tag nicht mehr als acht Stunden angesetzt werden dürfen.



Tipp:

Mit dem neuen Betriebsausgabenrechner können Sie die pauschal maximal ansetzbaren Betriebsausgaben korrekt berechnen, und zwar nicht nur bei regelmäßigen, wiederkehrenden Betreuungszeiten, sondern auch bei einmaligen, stundenweisen Betreuungszeiten, beispielsweise in der Eingewöhnungsphase.



Tabelle zum Abzug von Betriebskostenpauschalen


1 Tag2 Tage3 Tage 4 Tage5 Tage
1 Stunde  7,50 EUR 15,00 EUR 22,50 EUR 30,00 EUR 37,50 EUR
2 Stunden 15,00 EUR 30,00 EUR 45,00 EUR 60,00 EUR 75,00 EUR
3 Stunden 22,50 EUR 45,00 EUR 67,50 EUR 90,00 EUR112,50 EUR
4 Stunden 30,00 EUR60,00 EUR 90,00 EUR120,00 EUR150,00 EUR
5 Stunden 37,50 EUR75,00 EUR112,50 EUR150,00 EUR187,50 EUR
6 Stunden 45,00 EUR90,00 EUR135,00 EUR180,00 EUR225,00 EUR
7 Stunden 52,50 EUR105,00 EUR157,50 EUR210,00 EUR262,50 EUR
8 Stunden 60,00 EUR120,00 EUR180,00 EUR240,00 EUR300,00 EUR



Achtung:

Die Betriebsausgabenpauschale darf nur bis zur Höhe der tatsächlichen Einnahmen abgezogen werden.

Sie kann nicht angewendet werden, wenn die Betreuung im Haushalt der Personensorgeberechtigten oder in unentgeltlich zur Verfügung gestellten Räumen stattfindet. In Zeiten, in denen keine Betreuung stattfindet (Urlaub, Krankheit etc.) darf die Pauschale nur dann abgezogen werden, wenn das Betreuungsgeld weiter gezahlt wird.


Einzelnachweis

Es kann auch ein Einzelnachweis über die Betriebsausgaben geführt werden. Dies bietet sich an z. B. in der Anfangsphase, wenn hohe Investitionen getätigt werden.
Grundsätzlich abzugsfähig sind z. B.:


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Vorweggenommene Betriebsausgaben

Bereits vor dem tatsächlichen Beginn der Tätigkeit fallen für die Tagespflegeperson oft schon Ausgaben an. Wurden diese Ausgaben aus betrieblichem Anlass getätigt oder besteht ein wirtschaftlicher Zusammenhang zwischen der Ausgabe und der Aufnahme der selbstständigen Tätigkeit, liegen vorweggenommene Betriebsausgaben vor.

Diese dürfen in der ersten Einnahmen-Überschuss-Rechnung steuerlich geltend gemacht werden, sofern sie innerhalb von drei Jahren vor der Gründung entstanden sind.
Sie sind nach § 4 (Abs. 4 EStG) als Betriebsausgaben unter bestimmten Voraussetzungen abziehbar. Eine Voraussetzung ist, dass der Gründer mit Gewinnerzielungsabsicht handelt. Nur wer sich wirklich selbständig machen will, und diese Absicht auch belegt, kann die Aufwendungen als Betriebsausgabe ansetzen.

Weiterhin muss die betriebliche Veranlassung nachgewiesen werden.
Ist der betriebliche und zeitliche Zusammenhang wie oben ausgeführt nachgewiesen, können auch vorweggenommene Betriebsausgaben ohne eine tatsächliche Unternehmensgründung angesetzt werden.
Das FG Saarland bestätigt das in seiner Entscheidungsbegründung aus dem Urteil Az. 1 K 258/99 vom 15.12.2000. So heißt es in dem Urteil, dass der Betriebsausgabenabzug auch dann möglich ist, wenn die Tätigkeit nicht ausgeübt wird, sondern bereits in der Gründungsphase scheitert oder aus sonstigen Gründen nicht zur Ausführung kommt.


Abschreibungen (AfA)

Anlagegüter - also Gegenstände, die dem Betrieb für längere Zeit (mehr als ein Jahr) zur Verfügung stehen und nicht durch einmalige Nutzung verbraucht werden-, können Sie nicht sofort voll als Betriebsausgabe absetzen.
Vielmehr sind solche Anschaffungskosten auf die Zeit der Nutzung zu verteilen: Absetzung für Abnutzung (AfA), auch Abschreibung genannt.
Die tatsächliche Nutzungsdauer ist zu schätzen, wobei die Art des Anlageguts und die Art der Nutzung zu berücksichtigen sind.

Eine Ausnahme von der AfA bilden Anlagegüter mit Anschaffungskosten bis 150 EUR (netto). Solche Gegenstände können Sie im Jahr der Anschaffung in voller Höhe als Betriebsausgaben absetzen. Die Vorschriften für geringwertige Wirtschaftsgüter kommen nicht zur Anwendung.

Liegen die Anschaffungskosten eines selbstständig nutzbaren, beweglichen Wirtschaftsgutes nicht über 410,00 EUR netto, dann kann dieser Gegenstand im Jahr der Anschaffung voll abgeschrieben werden. Bei einem Verzicht auf die Vollabschreibung muss der Gegenstand in einen Sammelposten aufgenommen und über 5 Jahre linear abgeschrieben werden. Dabei besteht eine Pflicht zur Aufzeichnung in einem entsprechenden Anlageverzeichnis.

Bei Anschaffungskosten von 410,01 EUR bis 1.000,00 EUR (netto) muss das Wirtschaftsgut in einen Sammelposten des entsprechenden Jahres aufgenommen und gleichmäßig über 5 Jahre abgeschrieben werden. Dabei ist es nicht von Bedeutung, ob sich die einzelnen Wirtschaftgüter noch im Betriebsvermögen befinden. Der Abschreibungsbetrag ist als Betriebsausgabe abzusetzen.


Wichtig:

Abschreibungen kommen nur bei Einzelnachweis der Betriebsausgaben in Frage. Bei Wahl der Betriebsausgabenpauschale sind Abschreibungen nicht möglich.


Ausfüllen der Formulare (für das Steuerjahr 2015)

Die Einkommensteuererklärung wird auf den amtlichen Vordrucken abgegeben. Diese erhält man bei den Finanzämtern oder beim Bundesfinanzministerium.


Mantelbogen

Auch für Selbständige relevant ist der Mantelbogen, wo auf Seite 1 die persönlichen Daten des Steuerpflichtigen, Steuernummer und Bankverbindung angegeben werden. Hier kann gewählt werden, ob eine getrennte oder Zusammenveranlagung erfolgen soll.
Auf Seite 2 des Mantelbogens werden Angaben zu den Einkunftsarten gemacht. Es müssen Angaben zu Kindern gemacht werden. Außerdem können auf dieser Seite Sonderausgaben wie Ausgaben zur Berufsausbildung, Spenden und Unterhaltsleistungen geltend gemacht werden.
Auf Seite 3 erfolgt die Angabe außergewöhnlicher Belastungen und haushaltsnaher Dienstleistungen, Beschäftigungs-verhältnisse und Handwerkerleistungen.
Auf Seite 4 können noch sonstige Angaben beispielsweise zu Lohnersatzleistungen gemacht werden und schließlich wird der Mantelbogen und damit die gesamte Steuererklärung von dem oder den Steuerpflichtigen am Ende unterschrieben.


Anlage Kind

Haben Sie Kinder, so müssen Sie für diese jeweils eine "Anlage Kind" ausfüllen. Diese Anlage ist im Wesentlichen selbst erklärend.
Haben Sie bereits volljährige Kinder, so können diese unter bestimmten Voraussetzungen (Ausbildung des Kindes) Berücksichtigung finden. Haben volljährige Kinder eigenes Einkommen, so müssen dazu Angaben gemacht werden.

Auf Seite 3 dieses Formulars können Sie Angaben zu Kinderbetreuungskosten machen, sofern Sie oder Ihr Ehepartner erwerbstätig waren.


Anlage S

Das nächste Formular, welches ausgefüllt werden muss, ist die Anlage S, "Einkünfte aus selbständiger Tätigkeit".
Hier werden wieder die persönlichen Daten des Steuerpflichtigen und die Steuernummer angegeben.
Dann wird in Zeile 4 der Gewinn aus der zu bezeichnenden Tätigkeit ("Kindertagespflege") angegeben.


Anlage EÜR

Das dann folgende Formular ist die Anlage "Anlage EÜR", die "Einnahmen-Überschuss-Rechnung".

Dieses Formular muss zwingend erst bei Einnahmen über 17.500 EUR abgegeben werden; es ist aber unschädlich, es auch bei geringeren Einnahmen einzureichen. Zum einen muss die Tagespflegeperson für sich selbst in jedem Fall eine solche Rechnung erstellen; zum anderen zeigt die Erfahrung, dass viele Finanzbeamte bei Abgabe dieser Anlage einen besseren Überblick haben.
Wer mit einem Steuerprogramm für den Computer arbeitet, dem wird das Programm die Anlage EÜR in jedem Fall ausfüllen.

Hier werden zunächst wieder die persönlichen Daten des Steuerpflichtigen, die Steuernummer und in Zeile 5 die Art der selbständigen Tätigkeit angegeben.
Die Rechtsform des Betriebs (Zeile 6) ist ein Einzelunternehmen.
Dann wird in Zeile 15 (da umsatzsteuerfrei gem. § 4 UStG) und in Zeile 22 die Summe der Einnahmen aus der zuvor bezeichneten Tätigkeit eingetragen.

Hinweis:

Es gilt das "Zufluss-/Abfluss-Prinzip". Das bedeutet, dass Einnahmen grundsätzlich in dem Jahr anzusetzen sind, in dem sie auf dem Konto eingehen. Ausgaben sind in dem Jahr abzuziehen, in dem sie bezahlt oder aufgewendet worden sind.
Eine Ausnahme gilt für Zahlungen, die kurze Zeit nach oder vor dem Jahreswechsel (maximal 10 Tage) erfolgen und die wirtschaftlich zum abgelaufenen Jahr gehören, d. h. die Zahlung des Betreuungsgeldes für den Monat Dezember, die aber erst Anfang Januar eingeht, ist noch für das Vorjahr zu verbuchen.

In Zeile 23 werden die Betriebsausgabenpauschalen summarisch angegeben oder aber bei Einzelnachweis in den entsprechenden nachfolgenden Zeilen.
In Zeile 64 erfolgt dann nochmals die Angabe der Summe der Betriebsausgaben.

Die eigentliche Gewinnermittlung erfolgt in den Zeilen 71 bis 84 durch

Summe der Betriebseinnahmen
./.
Summe der Betriebsausgaben
______________________________
= Gewinn/Verlust

Damit ist die Anlage "EÜR" auch schon fertig ausgefüllt.


Wichtig:

Seit dem Wirtschaftsjahr 2011 muss die Anlage EÜR elektronisch an die Finanzverwaltung übermittelt werden ("ELSTER-Verfahren").
Deshalb werden die Formulare im Internet nur noch in ausdruckbarer und nicht mehr ausfüllbarer Form bereitgestellt.
Es besteht aber weiterhin die Möglichkeit, dieses Formular als Papierversion auszudrucken.



Anlage Vorsorgeaufwand

Beiträge zu bestimmten Versicherungen sind Vorsorgeaufwendungen. Die Aufwendungen müssen Sie um steuerfreie Zuschüsse und Beitragsrückerstattungen zu diesen Versicherungen kürzen.

Die Beiträge zu Ihrer gesetzlichen Rentenversicherung tragen Sie (gekürzt um die Erstattungsbeträge, Zeile 9) in Zeile 6 ein.
In Zeile 16 können Sie die Beiträge für eine freiwillige Krankenversicherung, sowie in Zeile 18 die Beiträge für die Pflegeversicherung eintragen.
Werden hierfür steuerfreie Leistungen durch das Jugendamt erbracht, müssen Sie die in Zeile 10 gestellte Frage mit "Ja" beantworten und eine "1" eintragen.
In Zeile 21 werden die Zuschüsse zu Kranken- und Pflegeversicherung angegeben.
Zusatzversicherungen (Wahlleistungen, Chefarztbehandlung) können Sie in Zeile 22 angeben.

Beiträge zu einer privaten Krankenversicherung werden in Zeile 23 eingetragen, die Zuschüsse des Jugendamtes in Zeile 26.
Zusatzversicherungen (Einbettzimmer, Chefarztbehandlung etc.) gehören in Zeile 27 (abzgl. Zuschüsse des JA).

In Zeile 48 tragen Sie Beiträge zu einer freiwilligen Versicherung gegen Arbeitslosigkeit ein und in Zeile 49 die Beiträge zu einer eigenen Berufsunfähigkeits- oder Erwerbsunfähigkeitsversicherung.

Beiträge für eine private Unfallversicherung gehören zu den Vorsorgeaufwendungen, wenn die Unfallversicherung ausschließlich private Risiken abdeckt. Sind sowohl private als auch berufliche Risiken versichert, sind die Beiträge je zur Hälfte als Sonderausgaben (Zeile 50 - private Risiken) und als Betriebsausgaben (berufliche Risiken - Achtung: steuerfreie Zuschüsse abziehen) zu berücksichtigen.

In Zeile 50 können Sie außerdem Beiträge für private Haftpflichtversicherungen geltend machen. Beiträge zu Kasko-, Hausrat- und Rechtschutzversicherungen sind nicht abziehbar.
Beiträge zu einer Berufshaftpflichtversicherung sind als Betriebsausgaben anzusetzen.


Anlage AV (Altersvorsorgebeiträge)

Für Ihre Beiträge zu einem zertifizierten Altersvorsorgevertrag können Sie eine Altersvorsorgezulage bei Ihrem Anbieter beantragen.
Darüber hinaus können Sie mit der "Anlage AV" einen zusätzlichen Sonderausgabenabzug geltend machen.
Bei der Bearbeitung Ihrer Einkommensteuererklärung prüft das Finanzamt, ob eine zusätzliche steuerliche Förderung in Form eines Sonderausgabenabzugs in Betracht kommt.
Voraussetzung für die Berücksichtigung der Altersvorsorgebeiträge im Rahmen des zusätzlichen Sonderausgabenabzugs ist, dass Sie gegenüber dem Anbieter des Altersvorsorgevertrages eingewilligt haben, dass dieser die zu berücksichtigenden Altersvorsorgebeiträge unter Angabe der Vertragsdaten, der steuerlichen Identifikationsnummer und der Zulage- oder Sozialversicherungsnummer per Datenfernübertragung an die Finanzverwaltung übermittelt.

Unmittelbar begünstigt sind Personen, die im Jahr 2015 - zumindest zeitweise - in der deutschen Rentenversicherung pflichtversichert waren. Zu den Pflichtversicherten der deutschen gesetzlichen Rentenversicherung gehören auch Sie als selbständige Tagespflegeperson bei Vorliegen der Versicherungspflicht (dies hat Ihnen Ihr Rentenversicherungsträger mitgeteilt, hängt vom zu versteuernden Gewinn ab).

In Zeile 11 tragen Sie Ihre Einnahmen ein, nach denen Ihr Beitrag bei der Deutschen Rentenversicherung berechnet wird. Haben Sie Entgeltersatzleistungen oder ALG II erhalten, muss das zusätzlich in Zeile 13 angegeben werden.
Dann müssen noch Angaben zu den Kindern und dem Bezug des Kindergeldes gemacht werden (Zeile 21-24).


Formlose Anlagen

Der Anlage EÜR beizufügen ist eine (formlose) Aufstellung der einzelnen Einnahmen und Ausgaben. Hierzu findet sich ein Muster bei den Praxishilfen.


Steuer- und Gewinnrechner

Tagespflege-online hat aufgrund der vielen Nachfragen einen Gewinn- und Steuerrechner erstellt, mit dem Sie jetzt neben der von Ihnen zu zahlenden jährlichen Einkommensteuer auch Ihre (weiteren) monatlichen Abgaben berechnen lassen können und damit einen Überblick über Ihr monatlich zur Verfügung stehendes Einkommen haben.



Tipp
Mit dem "Kurzcheck Einkommensteuererklärung" können Sie prüfen, ob Sie alle wesentlichen Angaben gemacht und die relevanten Anlagen beigefügt haben.
Wer keinen Steuerberater hat und bei der Erstellung der Steuererklärung unsicher ist, kann diese auch mit Hilfe eines Steuerprogramms für den PC erstellen.




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